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Aus der Geschichte der Volksschule Weißkirchen

Schulmeister und Direktoren von den Anfängen bis heute:


Die Volksschule Weißkirchen hat eine sehr lange Geschichte. Schon aus dem Jahr 1584 wird von einem Schulmeister Conrad berichtet, dem 1591 Martin Falkensteiner, 1611 Thomas Herl, 1612 Conrad Textor und 1615 Thomas Knörl folgten. Genauere, wenn auch nicht lückenlose Angaben über die damaligen Schulmeister geben Aufzeichnungen in den pfarrlichen Taufmatriken ab dem Jahr 1626.

1626 bis 1633: Georg Goldtpacher 
1633 bis 1660: Johann Felser - Schulmeister und Organist 
1677 bis 1689: Urban Kaban - Ludimagister 
1725 bis 1764: Mathias Grohs 
1765 bis 1771: Josef Ganster 
1771 bis 1801:Martin Auner - geprüfter Schulmeister nach der „neuen Lehrart“ 
1802 bis 1808: Ignaz Auner 
1808 bis 1848: Mathias Schlagin - Schulmeister Organist und Mesner 
1849 bis 1861: Joachim Lettner 
1861 bis 1868: Franz Swoboda 
1869 bis 1890: Ferdinand Teichmann, Oberlehrer
1890 bis 1923: Michael Krenn, Oberlehrer und Direktor
1923 bis 1924: Reinhard Krenn, provisorischer Leiter
1924 bis 1938: Wilhelm Dobnigg, Oberlehrer und Direktor
1938 bis 1945: Friedrich Lager, Oberlehrer und Rektor
1945 bis 1950: Wilhelm Dobnigg, Oberlehrer und Direktor
1950 bis 1967: Matthias Offner, Oberlehrer und Direktor
1968 (für 1 Monat): Anna Leitner, prov. Leiterin
1968 bis 1974: Otmar Wallner, Direktor
1974 bis 1975: Fessl Ernst, prov. Leiter
1975 bis 2000: Johann Hartleb, Direktor, Oberschulrat
2000 bis 2016: Klaus Raffold, Mag. Dr., Direktor
2016 bis heute: Karin Pichler, Dipl.Päd. und VDir. 
 

 
 

Räumliche Gegebenheiten:


Bis zu Jahr 1895, in dem das neue, in seinen wesentlichen Zügen noch heute gleich erhaltene Schulhaus fertiggestellt wurde, fand der Unterricht im Mesnerhaus neben der Kirche statt. Im Erdgeschoss wohnte der Mesner, der ja zugleich Schulmeister war, im ersten Stock befanden sich zwei Klassenzimmer. Für 40 bis 50 Schüler sollte nach damaligen Vorschriften ein Raum von 39 bis 43 m² vorhanden sein. Kamen alle Kinder zur Schule, stand für einen Schüler nicht einmal ein Quadratmeter Platz zur Verfügung, was naturgemäß eine Gefahr für ihre Gesundheit bedeutete. 
Nach dem Brand von 1830, in dem die Schule mit 21 anderen Gebäuden niederbrannte, wurde das Schulhaus neu aufgebaut. Heute ist das Haus im Besitz der Familie Murer. Schulklassen waren aber auch im Haus der Familie Anderle, im Gasthof Breznik und Amtmann untergebracht. Auch hier waren, wie aus der Chronik zu entnehmen ist, sehr widrige sanitäre Umstände anzufinden

 

Das Dasein eines Schulmeisters:


Im 18. Jahrhundert stand der Schuldienst weit hinter dem Kirchendienst. Schulmeister waren Angestellte des Pfarrers und konnten ihren Dienst nur dann antreten, wenn sie auch das Orgelspiel beherrschten. Daneben hatten sie auch ein immenses Maß an Aufgaben (Sauberhaltung der Kirche, Wetterläuten, verpflichtende Teilnahme an Prozessionen und Umzügen, Erziehung der Kinder zu Gottesfurcht, Unterweisung im Katechismus und in Moral, nebenbei die drei Gegenstände Rechnen, Schreiben und Lesen - daher wahrscheinlich der Name Trivialschulen) zu erledigen, sodass für ein Privatleben oder sogar Freizeit kein Raum blieb. Das damalige Unterrichten kann daher ohne weiteres oft als Nebenbeschäftigung gesehen werden. 
Meist wohnte der Schulmeister in einem Haus neben der Kirche, von den paar Gulden und Nahrungsmitteln, die er von manchen Eltern erhielt,  hätte er nicht leben können. Sein Haupteinkommen war das aus dem Kirchendienst. Manchmal spielten Schulmeister, um zu ein wenig mehr Geld zu kommen, bei Festen auf, was aber größte Probleme mit der Obrigkeit brachte und sogar zur Entlassung führen konnte. 
Auf dem Land wurde meist nur im Winter unterrichtet, weil die Kinder im Sommer zum Hüten des Viehs und die Feldarbeit benötigt wurden. Außerdem konnten sich die meisten Bauern das Schulgeld und das für die Schule nötige Gewand gar nicht leisten. Für den Lehrer aber war das Ausbleiben des Schulgeldes eine Katastrophe.

 

Aus dem Leben des Schulmeisters Mathias Schlagin (1808 - 1848):


Wie wohl alle Schulmeister dieser Zeit, hatte auch Schlagin mit vielfältigen Problemen zu kämpfen. Nicht nur mit dem schlechten Schulbesuch und dem damit ausbleibenden Schulgeld hatte er seine liebe Not, ihm oblagen wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht, auch die Heizung der Schulräume, die Sauberhaltung derselben und auch allfällige Instandsetzungsarbeiten, die er vorerst aus seiner eigenen Tasche bezahlen musste. 
Mehrmals wird sein karges Dasein offensichtlich, wenn er sich heftig darüber beklagt, dass er die lebensnotwendigen Naturalzuwendungen (1 Schüßlvoll Weitzen, 3 Eyer und 4 kr in Geld, 20 Garben Weitz usw.) der umliegenden Bauern nicht erhalten habe. 
Jedes Jahr war auch eine Schulvisitation vorgesehen. Dazu erschienen der Ortseelsorger, die obrigkeitlichen Beamten, der Richter, der Ausschuss der Gemeinde, der Ortsschulaufseher, der Schullehrer und sein Gehilfe. Im Zuge der Vistation wurde zuerst die Religionsprüfung und anschließend die Prüfung der übrigen Gegenstände abgehalten. Danach wurden die sechs besten und sechs schlechtesten Schüler zur „Belohnung“ oder „Beschämung“ festgestellt. 
Schlagin hatte auch mit sogenannten Winkelschulen seine liebe Not. In diesen Schulen wurden Kinder um einen geringeren Beitrag von Lehrern mit geringerer Ausbildung unterrichtet. Auch der Besuch der damals obligatorischen Sonntagsunterricht für Jünglinge und Lehrlinge bis zum 19. Lebensjahr (nur mit einem Zeugnis dieser Schule erfolgte für Lehrlinge auch die Freisprechung) ließ stark zu wünschen übrig, so dass sich Schlagin mehrmals heftig beschwerte. 
Gegen Ende seines Lehrerlebens musste sich Schlagin wegen seines Sohnes, der öfters unerlaubt bei Tanzmusiken aufgespielt haben soll, über Jahre mit der Schulaufsicht auseinandersetzen, da diesem deswegen die fristlose Entlassung drohte. 
Mathias Schlagin war bis zu seinem Tode am 6. Juli 1848 aktiver Lehrer.

 

Das „Reichsvolksschulgesetz“ von 1869:


Das unter dem Kaiser Franz Josef I. sanktionierte Gesetz brachte eine wirklich neue Epoche in der Entwicklung des „Niederen Schulwesens“. Erstmals tauchte der Begriff „Volksschule“ auf, eine Anstalt, die allen Kindern ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zugänglich sein sollte. Neben den Gegenständen Rechnen, Schreiben und Lesen wurde ab nun auch Naturkunde, Erdkunde, Geschichte, Geometrische Formenlehre, Gesang und Leibesübungen unterrichtet. Für Mädchen gab es ab nun „weibliche Handarbeiten“ und „Haushaltungskunde“. Die Schulpflicht dauerte nun vom 6. bis zum 14. Lebensjahr. Auch musste ab einer Schülerzahl von 80 eine zweite Lehrkraft angestellt werden. Vorgesehen wurde für Lehrer auch ein Mindesteinkommen, die Witwen und Waisen der Lehrer wurden pensionsberechtigt. 
Naturgemäß regten sich gegen dieses Gesetz viele Widerstände, auch von Seiten der Kirche, viele sahen in der Zunahme des Lehrstoffes die Gefahr, dass niemand mehr arbeiten wolle, aber auch der Wille des Staates, das Bildungswesen zu kontrollieren wurde als Einmischung in das Elternhaus betrachtet. So kam es, dass viele Neuerungen nicht verwirklicht wurden, das Schulwesen nicht wie geplant reformiert werden konnte.

 

Aus der Geschichte des Schulhauses:


Unter dem Direktor Michael Krenn konnte am 7. November 1895 das lang ersehnte Schulhaus in der Kärntnerstraße eröffnet werden. Damals gab es 5 Klassen, wobei die 5. bis 8. Schulstufe zu einer Klasse zusammengefasst war. Der Baukostenvorschlag belief sich auf 24.400 fl. 86 kr. Das Schulhaus ist in seinen äußeren Zügen auch noch heute gleich erhalten. Bis zum Jahr 1923 leitet Dir. Michael Krenn die Schule. 
Im Jahr 1926 wurde an der Schule der Turnsaal angebaut, ebenso ein Lehrerzimmer und eine "bescheidene Lehrerwohnung".
1953/54 wurde das Schulhaus abermals um einen Zubau beim Turnsaal erweitert. In diesem Zuge wurden auch andere Renovierungsarbeiten (Heizung, Fenster, Türen etc.) vorgenommen. 
Das Schulhaus konnte in den Siebzigerjahren den Anforderungen von der Größe her nicht mehr gerecht werden, weshalb ein Zubau am Südteil errichtet wurde. Fünf Klassenräume wurden errichtet, der alte Teil einer Generalsanierung unterzogen. 1981 konnte das Schulhaus seiner Bestimmung übergeben werden und präsentiert sich auch heute noch im selben Gewand.

  
Der Schulbetrieb währen der beiden Weltkriege:


Während der beiden Weltkriege herrschte auch in Weißkirchen naturgemäß große Not. Kinder sammelten zum Zwecke der Kriegsfürsorge z.B. Brombeerblätter zur Teebereitung, im Handarbeitsunterricht wurde warme Winterwäsche für die Soldaten hergestellt. Das Schulhaus diente nicht selten zur Einquartierung von Soldaten, was zur Folge hatte, dass am Vor- und am Nachmittag unterrichtet werden musste. 1915 musste der Schulbetrieb gänzlich eingestellt werden. Die Ausgabe von Brot- und Mehlkarten lag in den Händen des Lehrpersonals, Schüler und Lehrer beteiligten sich an Sammlungen aller Arten von Metallen, um der Rohstoffknappheit begegnen zu können. "Viele Kinder leiden tatsächlich Hunger" lautet ein Auszug aus einem Sitzungsprotokoll des Ortsschulrates, daher wurde an der Schule eine Suppenanstalt eingerichtet. Das Kochen besorgte die Lehrerin Friederike Krenn mit ihrer Magd. Eine gewisse Linderung am Ende des Krieges brachte die "Amerikanische Kinderhilfsaktion". 
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich änderte sich auch das Schulwesen in vielen Punkten beträchtlich. Als Lehrstoff wurde das vermittelt, was für den "Dienst an Volk und Staat" dienlich war. Der Gegenstand "Leibesübung" rückte an die erste Stelle. Eine wirkliche Weiterentwicklung im Schulwesen gab es durch die vielfachen Einberufungen von Lehrern eigentlich nicht. So wurden im Jahr 1941, als auch der damalige "Rektor" Friedrich Lager zur Wehrmacht einberufen wurde, sieben Klassen von nur vier Lehrerinnen unterrichtet. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges musste der Stundeplan umgestellt werden, da nun die Einquartierung des Militärs der Alliierten zu erwarten war. Die Schule wurde am Ende des Krieges auch als Auffanglager benutzt, die Schüler wurden teilweise in Gasthäusern unterrichtet. Das Konferenzzimmer diente den Engländern vorübergehend sogar als Gefängnisraum. Große Mühen aller Lehrerinnen und Lehrer waren notwendig, um das Unterrichtsgeschehen trotz der großen Not und des eklatanten Mangels an Lebensmitteln, Bekleidung und Schulsachen wieder zu normalisieren. Für diesen Einsatz sprach der Landesschulrat allen Lehrpersonen seinen Dank und seine Anerkennung aus.

 

Der Schulbetrieb heute:


In diesem Schuljahr besteht die Volksschule aus acht Klassen. Sinkende Geburtenzahlen bereiten aber auch uns zunehmend Sorgen. Die Unterrichtsmethoden haben sich durch den Einsatz von Computern und neuen Lernformen gegenüber früher natürlich grundsätzlich geändert. Um die Ziele eines modernen Unterrichts auch erreichen zu können, bedarf es neben dem Engagement der Kolleginnen auch finanzieller Mittel, die der Schule in großzügigem Maße zur Verfügung gestellt werden. Es bleibt die Hoffnung, der Schule den guten Ruf erhalten zu können und den Kindern auch weiterhin, in der nun doch schon sehr langen friedlichen Zeit, lebenswerte Grundsätze sowie das nötige Wissen vermitteln zu können, was angesichts des motivierten Kollegiums in höchstem Maße realistisch erscheint.

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